Manchmal ist weniger sehen mehr 😉

 

 

Die Schlange vor mir ist voll und meine Tasche drückt auf den Schultern. Jede Woche wunder ich mich, warum sie so schwer ist, obwohl ich in der Sauna doch gar nicht so viel Sachen brauche. Die meisten scheinen wohl eher ins Schwimmbad zu gehen und ich freue mich auf einen ruhigen und entspannten Abend. Die Woche war wieder so hektisch und irgendwie hat der Tag einfach zuwenig Stunden.

 

Ich bin froh, dass ich jede Woche diesen Termin mit mir habe und ihn konsequent durchziehe.  Zeit nur für mich. Entspannen, runter kommen, den Gedanken freien Lauf lassen…

Wellness für Körper, Geist und Seele.

 

Endlich bin ich drin und spüre schon in der Umkleide, wie der ganze Stress der letzten Tage von mir abfällt. Ich mag den Duft in der Luft und die ruhige und fast meditative Stimmung in der Anlage. Hier scheinen die Uhren irgendwie langsamer zu laufen und alles hat sein eigenes Tempo.

 

Sogar die Dusche versprüht einen angenehmen Orangenduft und belebt die müden Geister.

 

Der Abend startet in der Dampfsauna. Ich bin alleine und mache es mir in der Ecke direkt am Ofen gemütlich. Ätherische Öle legen sich direkt auf meine Atemwege und machen alles frei.

 

Der Nebel ist so dicht, dass ich die Hand kaum vor Augen sehe. Die Wärme der Kacheln tut gut, ich schließe die Augen und höre die sanften Klänge der Musik aus der Box direkt über mir.

 

Nach kurzer Zeit geht die Tür, jemand schreitet durch den Raum und setzt sich gegenüber von mir. Ich blinzle etwas und erblicke einen großen, stattlichen Männerkörper. Den Typ habe ich hier ja noch nie gesehen, schießt es mir durch den Kopf. Mein Blick wendet sich wieder ab und ich lausche weiter der Musik.

 

So richtig kann ich mich aber nicht wieder einlassen und ertappe mich dabei, wie meine Blicke doch immer wieder zu dem Körper wandern.

 

Er hat die Augen geschlossen und wirkt total entspannt. Es scheint, als hätte er ein Lächeln auf den Lippen.

 

Durch den Dampf ist das Bild wie im Nebel und ich bin froh, dass er meine Blicke ja nicht sehen kann. Ich muss gestehen, dass mich der Anblick schon etwas erregt und mir noch  wärmer wird.

 

Heimlich wandern meine Augen langsam über seinen Köper und verfolgen einen Wassertropfen, der langsam und in aller Seelenruhe von seiner Stirn auf seine leicht behaarte Brust tropft. Wie im Spiegelbild spüre ich parallel auch die Wassertropfen auf meiner Haut, die sich ihren Weg von oben über meine Brüste und den Bauch nach unten bahnen.

 

Ich verfolge weiter den Tropfen auf seiner Brust, der inzwischen seine Brustwarze umwandert und nun volle Fahrt über seine Bauchmuskeln aufnimmt.

 

Meine Erregung nimmt zu und ich wende den Blick abrupt ab. Puh, ist das heiß hier, denke ich.

 

Es ist, als ob meine Augen ein Eigenleben führen und sich von dem Tropfen magisch angezogen fühlen. Der ist inzwischen am Bauchnabel angekommen und macht aber kurz vorher eine leichte Linkskurve und läuft in Richtung Lenden weiter.

 

In meiner Phantasie stelle ich mit vor, dass es meine Finger sind… Mein Atem stockt bei der Vorstellung. Ich spüre meine Finger auf meinem Körper, die genau das tun…

 

In diesem Moment schlägt er die Augen auf und unsere Blicke treffen sich.

Der Dampf hat sich fast völlig verzogen und es ist, als höre die Welt für einen kurzen Moment auf, sich zu drehen.

 

Er guckt mich direkt an und ich fühle mich ertappt. Oh mein Gott, was denkt er nur von mir, sieht er mir meine Erregung wohlmöglich auch noch an, höre ich es in mir denken.

 

Aus meinem Mund kommt aber: „Wow, ist das heiß hier.“ Ich lächle verlegen.

 

Er antwortet mit einem undefinierbaren Lächeln, „könnte man so sagen“ und wandert mit seinen Augen ganz offensiv über meinen Körper.

 

Ich gebe meinem Fluchtimpuls augenblicklich nach und verlasse mit einem gemurmelten „wird Zeit für die kalte Dusche“  die Sauna.

 

Abkühlung! Sofort!

 

Das Grinsen behalte ich für den Rest des Abends in meinem Gesicht und komme mir vor, als hätte ich etwas Verbotenes getan. Es fühlt sich herrlich lebendig an.

 

Beim Rausgehen ist die Kasse wieder voll und plötzlich höre ich eine sanfte Stimme, die mir ins Ohr flüstert: „wenn dir auch so gut gefallen hat, was du gesehen hast, wie mir gefallen hat, was ich gesehen habe, dann sollten wir den Abend zusammen beenden.“

 

Ich drehe mich um, gucke ihm direkt in die Augen und spüre sofort wieder das Kribbeln…