Guten Freunden sollte man nie einen Wunsch abschlagen 

 

Marc sitzt im Auto als sein Handy klingelt. Oh, Robert, lange nichts von ihm gehört, denkt er. Wenn ich da jetzt ran gehe komme ich zu spät zum Training, „Hallo Robert mein Freund, wie geht es dir?“

„Hallo Marc, schön deine Stimme zu hören. Kannst du dich noch an Babsy und Susan erinnern?“  Marc hört sich kurz eine alte Urlaubsgeschichte an, unterbricht ihn dann aber doch und fragt nach dem Grund seines Anrufs.

„Marc, also meine Eltern haben mir 2 Karten für die Philharmonie geschenkt diesen Samstag, aber da kann ich leider nicht. Die eine Karte würde meine Arbeitskollegin nehmen, aber nur wenn ich ihr eine charmante Begleitung organisiere. Lach. Da habe ich natürlich gleich an dich gedacht. Interesse?“

Marc überlegt kurz. „Sorry, aber das passt leider überhaupt nicht.“

„Komm Marc, lass mich nicht hängen. Das sind echt teure Karte, super Plätze und ich habe Bianca mein Wort gegeben, sie freut sich schon sehr auf den Abend.“

Die beiden diskutieren noch ein bisschen hin und her und schließlich willigt Marc seufzend ein. „Super Marc, Bianca bringt die Karten mit. Ihr trefft euch am Eingang. Sie wird dich schon erkennen. Viel Spaß und mach’s gut“

Pünktlich Samstagabend steht Marc vorm Eingang der Philharmonie. Es ist voll und die Leute entsprechend des Anlass elegant gekleidet. Wer wohl Bianca ist – hoffentlich ist sie nicht so langweilig – egal,  ich will eh direkt danach nach Hause und morgen früh laufen gehen, denkt er und wird langsam ungeduldig.

„Hallo Marc, ich bin Bianca“  Marc dreht sich zu der etwas rauhen Stimme um und blickt auf eine kleine, etwas wüste Erscheinung. Oh nein, schisst es ihm durch den Kopf, was bitte hat Robert sich denn dabei gedacht?

Bianca wirkt forsch, sieht alles andere als elegant aus, irgendwie bunt. So gar nicht sein Typ.

Sie suchen eilig ihre Plätze und Marc beäugt Bianca immer wieder leicht aus dem Augenwinkel. Er ist verwirrt und kann sich noch nicht wirklich entscheiden, was er von ihr halten soll. Da ist irgendwas…

Die Violinen erklingen und mit jedem Ton verändert sich Biancas Gesicht. Ihre roten Locken stehen kreuz und quer und manchmal sieht es aus, als hüpfen sie passend zur Melodie.

Bei jedem Lächeln sieht sie anders aus. Wie die neue Seite in einem Buch…

Marc ist durcheinander, er kann nicht aufhören sie zu beobachten. Ihr Körper wirkte auf den ersten Eindruck so plump, aber ihre Augen sprechen eine ganz andere Sprache.

Bianca wirkt auf ihn, als tauche sie völlig ein in die Musik, als ob sie eine Geschichte erzählt.

Ihr Atem wechselt von ganz flach zu tief und intensiv. Ihre Augen weiten sich, ziehen sich zusammen und verschließen sich manchmal für Sekunden auch ganz.

Marc weiß nicht, was ihn gerade mehr fesselt, die Musik oder Biancas Ausdruck.

Es wird leise um sie herum und nur ein paar wenige Geigen sind zu hören. Sanft und zärtlich. Bianca ergreift ganz selbstverständlich seine Hand und streichelt sie, als wolle sie es der Geige nachtun.

Marc läuft ein Schauer über den Rücken und er bekommt am ganzen Körper Gänsehaut. Gleichzeitig verspürt er den Impuls die Hand wegziehen zu wollen.

Bianca blinzelt ihn an und er lässt es geschehen.

Aus ihrem rechten Auge wandert eine kleine Träne die Wange hinunter und Marc ist fast versucht sie wegzuwischen.

Applaus. Die Hände lösen sich und kurze Zeit später ist das Konzert zu Ende. Bianca wirkt total gelöst, fröhlich und sogar ein bisschen sinnlich. Marc ist verwirrt.

Bianca lädt ihn als Danke schön für die Begleitung noch auf einen Cocktail ein. Er wollte eigentlich ja direkt nach Hause. „Oh ja gerne, ich kenne eine schöne Cocktailbar gleich hier um die Ecke“ hört er sich stattdessen sagen.

Sie haben Glück und es gibt noch genau 2 Plätze.

Die anfänglich stockende Unterhaltung weicht schnell auf und nach ein paar Minuten beginnen sie sogar miteinander zu flirten. Der Zauber der Musik hält an, die Gefühle tanzen auf dem Tisch und es schleicht sich eine sanfte, natürliche, ganz eigene Schönheit ein, die beide wie ein Mantel umhüllt.

Der Kellner weist sie nach ein paar Stunden auf die Schließung hin. Beiden fühlen sich ertappt und grinsen ihn verlegen an.

Draußen ruft Bianca ein Taxi. „Zu dir oder zu mir?“

Marc zwinkert innerlich seinem Freund Robert zu steigt lächelnd in das Taxi.